Reishiki (礼式) ist der japanische Ausdruck für Etikette.

Es beinhaltet die Gesamtheit der Umgangsformen und Haltung, wie Kleidung, Betreten des Dojo, Grüßen, Hinsetzen und Aufstehen. Verhalten während der Übungen. Handhabung der Waffen, Respekt gegenüber dem Lehrer und den Mittrainierenden.


Ein Dojo ist neben dem Training ein Ort der Entwicklung der Persönlichkeit, des Charakters und des Geistes.

Die unten aufgeführten Aspekte sind sicher allen, die hier trainieren selbstverständlich.

 

Die Dojo-Ordnung soll auch keine „Belehrung“ sein, sondern uns vielmehr daran erinnern, achtsam miteinander und mit unserer Umgebung umzugehen. Sie enthält praktische Hinweise für einen Ort, den viele Menschen gemeinsam nutzen. Das Wichtigste: Behandle andere wie Du selbst behandelt werden möchtest, mit Höflichkeit und Respekt. Verlasse das Dojo wie Du es vorzufinden wünscht, in einem ordentlichen und sauberen Zustand. Wir wünschen Dir eine schöne Zeit im Dojo und viel Spaß beim Üben und Austausch mit anderen.

 

Sei nie arglistig in Deinen Gedanken. Sei eifrig in der Übung des Weges. Erkenne auch das, was unsichtbar bleibt.“

(Miyamato Musashi, jap. Schwertkämpfer aus dem 17.Jh.)


Dojo-Ordnung im Shinki Dojo Weiler

1. Ordnung und Sauberkeit

  • Trage im Dojo keine Straßenschuhe. Außerhalb der Matte kannst du Zoris oder Badelatschen anziehen. Während des Trainings stellst Du die Latschen paarweise mit dem Fersenteil zum Mattenrand ab.

  • Betrete die Matte barfuß mit sauberen Füßen oder Strümpfen.

  • Iss nicht im Dojo.

  • Eltern der Kinder: bitte achtet mit auf die Ordnung und Sauberkeit im Dojo (Eingangsbereich, Umkleiden und Matte), bzw. unterstützt die Übungsleiter/innen dabei.

  • Beteilige Dich mit an der Dojo-Reinigung. Z.Bsp.: Nach dem Training kehren/ saugen und die Randstreifen mit einem feuchten Tuch abwischen. Einen vollen Mülleimer in der Toilette in die entsprechenden Tonnen entleeren.

  • Wenn Du das Dojo als Letzte/r verlässt und abschließt, achte bitte darauf, dass die Fenster geschlossen sind, alles einen ordentlichen und sauberen Eindruck hinterlässt und das Licht ausgeschaltet ist. Auch in den Toiletten.

  • Bis auf Zoris und Trainings-waffen, hinterlasse bitte keine Utensilien (Keiko-Gi, Handtücher etc.) im Dojo.

2. Etikette und Respekt

  • Verbeuge Dich und zeige dadurch Respekt:

    -> Beim Betreten und Verlassen des Dojo sowie der Matte zur Kamiza und zum/r Übungsleiter/in,

    -> Zu Beginn und Ende des Unterrichts zur Kamiza und zum/r Übungsleiter/in,

    -> Zu Beginn und Ende einer Übung zum Partner. Dies gilt als Versprechen mit Ehrlichkeit, kooperativ und ohne falschem Ego gemeinsam zu üben und sich gegenseitig keinen Schaden zufügen zu wollen.                                -> Zum Ende des Trainings zum/r letzten Partner/in, stellvertretend für alle Partner/innen des Unterrichts.

  • Zu Beginn und Ende des Unterrichts, sowie während den Erklärungen des/r Lehrers/in, sitze in einer Reihe mit den anderen Schülern und Schülerinnen im Seiza (Fersensitz) gegenüber der Kamiza ab. Bei Knieproblemen ist auch der Schneidersitz erlaubt.

  • Verweile während des Angrüßens und der Meditation in Ruhe und Bewegungslosigkeit. Vermeide während der Meditation jedes überflüssige Geräusch, auch wenn Du Dich gerade im Umkleideraum oder Eingangsbereich aufhälst.

  • Wenn Du zu spät kommst, setzt Du Dich im Seiza am Mattenrand ab, grüßt an (Meditation und Verbeugung) und wartest auf ein Zeichen des/r Übungsleiters/in.

3. Sicherheit beim Training

  • Wenn Du zum Training kommst, solltest Du geistig aufnahmebereit, körperlich gesund und belastbar sein.

  • Die Teilnahme unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigenden Medikamenten ist ausgeschlossen.

  • Achte auf Deine persönliche Sauberkeit und die Deiner Trainingsutensilien.

    Da wir auf der Matte barfuß trainieren, seien hier saubere Füße erwähnt, der Gi sollte in einem sauberen und ordentlichen Zustand sein. Frische Ausdünstungen vom Essen (bspw. Knoblauch), Trinken oder gar Rauchen erbitten wir zum wohle der Mitübenden zu unterlassen.

  • Finger- und Fußnägel sollen kurz gehalten werden, lange Haare zusammen gebunden und offene Wunden abgedeckt sein. Lege Uhren, Schmuck u.ä. Gegenstände vor dem Training ab.

  • Verlasse die Matte während des Trainings nicht.

    Falls dies einmal nötig sein sollte, informiere den/die Übungsleiter/in vorab.

  • Iss und trinke nicht auf der Matte.

  • Übe die Techniken mit Rücksicht, Achtsamkeit und angepasst an Dein Können und das Deines/r Übungspartners/in. Wenn Du im Ukemi (Fallschule) unsicher bist, solltest Du dies im Zwiefelsfalle Deinem/r Übungs- partner/in mitteilen.

  • Vermeide „Rangeleien“ mit schmerzhaften oder gesundheits-gefährdenden Techniken mit „Realitätsnähe“. Für das sogenannte „Sparring“ gibt es ein gesondertes Training.

  • Teile Deinem/r Übungsleiter/in gesundheitliche Beeinträchtigungen und Verletzungen unverzüglich mit.

4. Beim Üben

  • Sprich beim Üben möglichst wenig.

  • Diskutiere nicht übermäßig über Techniken. Bevor Du Korrekturvorschläge erteilst, soll Dein/e Partner/in Zeit haben, sich auszuprobieren und zu üben.

  • Vermittle Korrekturvorschläge nicht nur verbal, sondern in erster Linie körperlich; und nicht mehr als 2 bis 3 Korrekturen pro Übungssequenz und Partner/in. Vermeide, Deinem/r Partner/in Korrekturvorschläge und Ideen aufzuzwingen.

  • Folge aufmerksam den Erklärungen des/r Übungsleiters/in. Bei Unklarheiten frage nach.

5. Umgang mit Trainingswaffen

  • Im Training werden in der Regel nur Waffen aus Holz verwendet. Behandle sie jedoch mit demselben Respekt wie echte Schwerter und Messer. Sei dir also immer bewusst, welches die scharfe Seite ist, und vermeide jegliche leichtsinnige Spielerei.

  • Die Waffen im Ständer an der Kamiza sind dem/r Übungsleiter/ in vorbehalten. Die Waffen im Waffenständer enthalten Leihwaffen.

  • Beschrifte Deine eigene Waffe. Bewahre sie in einer Waffenhülle auf.

  • Benutze nicht die Waffen anderer Schüler.

  • Die Waffen werden außerhalb der Matte am Mattenrand gelagert. Dabei weisen die Schneideseiten immer von der Matte weg.


  • Achte beim Training mit den Waffen auf die nötige Distanz zum Partner und den anderen Übenden.

 

Weiler im Allgäu, 21.01.2012, Stefan Lesser, Dojo-Cho

 

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Die Verbeugung

Das gegenseitige Verbeugen ist etwas, das dem Neuling beim Aikido sofort ins Auge fällt. Dazu kommt, dass wir hierzulande bei einer Verbeugung oft das leicht unangenehme Gefühl der Unterwerfung verspüren. Eines vorweg, das Verbeugen im Aikido ist weit entfernt von Unterwerfung oder gar einer Anbetung von Götzenbildern. Es sei ebenso festgehalten, dass Aikido keine Religion ist und auch keiner Religion als Hilfsmittel bedarf, um ausgeübt werden zu können.

 

Mit dem Verbeugen bekundet man Respekt gegenüber dem anderen und gleichzeitig gibt man auch die Wertschätzung der eigenen Person klar zu erkennen. Es ist eine Ausdrucksform japanischer Höflichkeit und Etikette, die in einer japanischen Kampfkunst ihren sinnvollen Platz hat.

 

Wie, warum und wann

Man führt eine Verbeugung aus der Hüfte heraus mit geradem Rücken aus. Gegen Ende der Körperbeugung neigt man den Kopf noch ein Stück weiter. Man verweilt einen Moment, hebt den Kopf wieder an und richtet sich mit geradem Rücken wieder auf. Die Bewegung soll rund, elegant und natürlich sein und keinesfalls einen abgehackten, maschinenmäßigen Eindruck vermitteln.

 

Es gibt Kampfkunstschulen, die empfehlen, sein Gegenüber beim Verbeugen nicht aus den Augen zu lassen, um für einen eventuell erfolgenden Angriff jederzeit bereit zu sein. Es ist eine von Misstrauen gekennzeichnete Art des Verhaltens, die an sich ein nachfolgendes, gemeinsames Trainieren unmöglich macht.

 

Bei den meisten Techniken gibt ein Partner freiwillig seine Gesundheit und sogar sein Leben in die Hand des anderen, um ein Üben überhaupt erst zu ermöglichen. Wenn von Anfang an kein Vertrauen da ist, dürfte man sich nicht verbeugen und schon gar nicht miteinander üben.

 

Zu Beginn und bei Ende einer Partnerübung verneigt man sich meist im Stehen (Ritsurei), aber auch im Sitzen, wenn es sich um eine Übung von Suwari Waza (Techniken auf den Knien) handelt. Bei der Übung von Hanmi Handachi Waza (ein Partner steht, der andere befindet sich auf den Knien) verbeugt man sich auf gleichem Niveau, d.h. entweder beide sitzen oder beide stehen.

Beginn und Ende des keiko

Zum Beginn und zum Ende des Unterrichtes sitzen Lehrer und Schüler sich in Seiza gegenüber und verbringen einige Momente in Meditation ("mokuso" [mo-xo]). Anschließend verneigt man sich gemeinsam in Richtung Kamiza (erst der Lehrer, dann die Schüler) und schließlich verneigen sich Lehrer und Schüler voreinander.

 

Bei Beginn des Unterrichtes spricht man am Tiefpunkt der Verbeugung die Worte „Onegai itashimas“ [onega-i-ita-schimas]. Dies stellt eine ausgesucht höfliche Bitte um Unterweisung dar. Vom Lehrer gesprochen stehen diese Worte für das höfliche Ersuchen, dass der Unterricht von den Schülern angenommen werden möge.

 

Ebenfalls gebräuchlich ist auch die kürzere Form mit gleicher Bedeutung „Onegaeshimasu“ [one-gae-schimas].

 

Zum Ende des Unterrichtes bedankt man sich an derselben Stelle mit den Worten „Domo arrigato gozaimashita“ [domo arrigato gosaimaschta] oder in der Landessprache des Lehrers.

 

Wesentlich bei der Ausführung jeden Grußes ist aber nicht die rangordnungsgemäße Richtigkeit oder eine formvollendete Ausführung, sondern die persönliche Geisteshaltung.

 

Es kann gar nicht genug betont und hervorgehoben werden, dass Aufmerksamkeit, Aufrichtigkeit und Offenheit, Ernsthaftigkeit und Respekt zusammenfließen müssen, damit die Etikette nicht nur eine wertlose Ansammlung leerer Formen und Floskeln ist.

 

"Reishiki ist eine Angelegenheit des Herzens" - begreife sie als Übung der Achtsamkeit. - M. Ueshiba